Workshop
Critical Whiteness

Zeit: 12. März und 12. Dezember 2014
Ort: Köln
Referentin: Magdalena Kissling
In Zusammenarbeit mit ASPLA (Arbeitskreis Spanien - Portugal - Lateinamerika)/CLAC (Zentrum Lateinamerika)

Fotodokumentation

Eine Fotodokumentation des Workshops findet ihr hier. [pdf, 801kb]

Literatur

Eine Literaturliste zum Workshop findet ihr hier. [pdf, 356kb]

Worum es geht

"Rassismus hat nichts mit mir zu tun, ich bin in einer vollkommenen Weißen Umgebung aufgewachsen." (Frankenberg 1996, S. 59)

Was hat Rassismus mit mir zu tun? Worüber sprechen wir eigentlich, wen wir meinen, wir thematisieren Rassismus in Deutschland? Hast du schon mal darüber nachgedacht, weiß zu sein?

Rassismus betrifft alle Menschen einer Gesellschaft, nur eben auf sehr unterschiedliche Weise. Ein Unterschied, der in der Regel unmarkiert bleibt, aber reale Auswirkungen hat - auf den Arbeitsmarkt, den Wohnungsmarkt, vor dem Gesetz, im Alltag beim Einkaufen, in der Schule oder an der Universität. Wir alle sind geprägt durch eine scheinbare weiße Normalität - eine Normalität, die durch Medien, durch das Zusammensein in der Familie, durch die Schule und den Freundeskreis immer wieder bestätigt wird. Aber normal für wen? In dem Workshop geht es darum, den Blick auf das eigene Weißsein zu lenken und die Eingebundenheit der eigenen Persönlichkeit in rassistische Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen. Denn wird Rassismus nicht als rechtsextreme Gewalttat, sondern als alltägliche Erfahrung der Privilegierung und Ausschließung begriffen, dann muss Rassismus auch auf struktureller und individueller Ebene reflektiert und neue Handlungsmöglichkeiten im Kampf gegen Rassismus gesucht werden. Nach einem Input zu der Frage, was eigentlich unter dem Begriff Rassismus zu verstehen ist, geht es um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Weißsein. Was heißt es, weiß zu sein und welche gesellschaftliche Konsequenzen hat mein Weißsein bzw. haben weiße Normalitätsvorstellungen werden leitende Fragen sein. Diese Auseinandersetzung um Weißsein mündet am Ende des Workshops in die Frage nach Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten innerhalb einer rassistisch strukturierten Gesellschaft.

Für die Teilnahme ist kein Vorwissen nötig. Wichtig sind eine Offenheit für Theorieansätze und Bezeichnungen, die vielleicht neu sind sowie eine Bereitschaft, eigenes Wissen und eigene Bilder selbstkritisch zu hinterfragen. Wer Interesse hat, sich vor und/oder nach dem Workshop vertiefend mit Rassismus und Weißsein auseinanderzusetzen, siehe Literaturliste.

Der Workshop richtet sich an weiße mehrheitsdeutsche Menschen, also an Personen, die in Deutschland keine Rassismuserfahrungen machen. Denn um gesellschaftliche Rassismen zu thematisieren und an eigene Widerstände heranzugehen, sind getrennte Räume sinnvoll. Parallel zum Critical Whiteness Workshop findet folglich immer auch ein Empowermentworkshop statt, der sich an die Menschen in Deutschland richtet, die alltäglich Rassismuserfahrungen machen.

Zu den Begriffen weiß und PoC/Schwarz

Schwarz: Schwarz ist eine politische Selbstbezeichnung. Sie meint nicht die Hautfarbe, sondern benennt eine gesellschaftspolitische (Macht-)Position und wird daher in Abgrenzung zum Attribut schwarz (z.B. die schwarze Hose) groß geschrieben. Schwarzsein markiert gemeinsame Lebensrealitäten in einer weiß dominierten Gesellschaft.

Poc: PoC steht für Person of Color und ist ebenfalls ein Begriff und politisches Konzept aus den USA. PoC wird als Begriff vor allem in Deutschland verwendet als Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismus erfahren. Ziel dieses Konzepts ist es, Menschen, die in Deutschland unterschiedliche Formen von Rassismus erfahren, miteinander zu verbinden.

weiß: weiß ist eine Bezeichnung für Menschen, die in Deutschland keine Rassismuserfahrungen machen. Weiß wird häufig klein geschrieben und kursiv gesetzt, um das Konzept vom Attribut weiß abzugrenzen. Denn auch hier ist weiß kein biologischer Begriff, sondern bezeichnet eine gesellschaftliche Machtposition.

Die Begriffe weiß, Schwarz und PoC funktionieren im Gegensatz zu Menschen mit Migrationshintergrund oder Migrant_innen ohne Bezugnahme auf das Konzept Kultur oder Nation.