Unsere Themen

In unseren Veranstaltungen setzen wir uns mit grundsätzlichen gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen auseinander. Alle unsere Veranstaltungen orientieren sich dabei an unserem Selbstverständnis und entwickeln sich mit uns prozesshaft weiter.

Derzeit liegen unsere Schwerpunkte vor allem bei folgenden Themen: [Rassismuskritik] [Empowerment] [Kritisches Weißsein] [Ökonomische Bildung] [Forumtheater]

Rassismuskritische Bildung

Rassismus nicht auf Rechtsextremismus zu reduzieren erfordert die Frage nach Funktion und Mechanismus von Rassismus, nach Ebenen, auf denen Rassismus wirkmächtig wird, sowie nach historischen Kontinuitäten und Transformationen und damit nach seinen zeit- und raumspezifischen Erscheinungsformen. Rassismus als ein gesellschaftliches Ordnungssystem zu thematisieren konfrontiert uns mit eigenen (subtilen) Formen des Rassismus, konfrontiert uns mit eigenen Denk-, Sprech- und Handlungsweisen und setzt individuelles Handeln in gesellschaftliche Macht-Wissen-Komplexe. Anliegen des Workshops ist es, einen Raum für eine selbst- und gesellschaftskritische Auseinandersetzung zu schaffen und uns für das alltägliche Phänomen Rassismus zu sensibilisieren.
Für einen Eindruck: [Frühere Veranstaltung zu diesem Thema]

Empowerment für Menschen mit Rasissmuserfahrungen

Rechtsextremismus und/oder körperliche Angriffe sind in aller Regel das, was wir unter Rassismus verstehen. Diese offenen Gewaltformen sind jedoch EINE Spielart des Rassismus, der viel komplexer ist. So sind es auch die "kleinen", "unscheinbaren" Dinge, wie Blicke, "harmlose", "nett gemeinte" Aussagen auf der Straße, in der Bahn, bei der Arbeit, an der Uni, beim Feiern oder in netter Runde mit Freund*innen. Menschen werden - aufgrund des Aussehens (der Hautfarbe oder der Herkunft), des Namens, der Sprache oder der Herkunft, der Religionszugehörigkeit - mit subtilem oder offenem Rassismus konfrontiert. Rassismus ist eine Alltagserfahrung von Menschen nicht-(nur-)deutscher Herkunft, People of Color, von Schwarzen Menschen, Migrant*innen und Menschen, dessen Vorfahren eine Migrationsgeschichte haben.
Diese alltäglichen, subtilen Erfahrungen mit Rassismus sind es, die verunsichern, wütend machen, Traurigkeit auslösen, den Kampfgeist wecken, und/oder ein Gefühl der Ohnmacht hinterlassen.
Aber selten gibt es Räume, in denen Menschen mit genau diesen spezifischen Erfahrungen sich in einem geschützten Rahmen austauschen können, ohne dass ihnen gesagt wird: "Das ist aber übertrieben, wie du dich aufregst!" Oder "Das ist doch gar nicht rassistisch!" oder "Sei doch nicht so empfindlich!" Es gibt zwar Workshops und Seminare, in denen Menschen für Rassismus sensibilisiert werden sollen. Der Blick ist aber oftmals aus einer weißen Mehrheitsperspektive. Menschen mit mehreren kulturellen Identitäten und mit alltäglichen Rassismuserfahrungen haben jedoch oftmals andere Fragen und Themen, aber selten werden die Erfahrungen zum Thema.
Empowerment steht für einen stärkenden Prozess der (Selbst-)Ermächtigung von Menschen mit Rassismuserfahrungen. In Empowerment-Workshops setzen wir uns in Räumen, in denen alle Erfahrungen mit Rassismus teilen können, damit auseinander, was Rassismus für jede*n von uns bedeutet, wo und wie wir Rassismus erleben und welche Strategien wir dagegen haben. Ebenso können Fragen von Mehrfachzugehörigkeiten und mehreren kulturellen Identitäten geteilt werden. Durch verschiedene methodische Zugänge von Gesprächs- und Austauschrunden, Körperübungen, Biographiearbeit und Theatermethoden wollen wir herausfinden, wie wir konkret eine antirassistische Praxis leben wollen.

Kritisches Weißsein

Schon mal darüber nachgedacht, weiß zu sein? Was bedeutet es, weiß zu sein? Critical Whiteness Workshops vollziehen einen Perspektivwechsel. Werden in der Rassismusforschung in der Regel "die Anderen" zum Objekt der Betrachtung gemacht, wird in diesem Workshop das eigene Weißsein als eine privilegierte gesellschaftliche Machtposition zum Gegenstand der Reflexion. Im Vordergrund stehen die Auseinandersetzung mit weißen Privilegien und ihren gesellschaftlichen Konsequenzen innerhalb der deutschen Migrationsgesellschaft sowie Strategien des Umgangs mit dem eigenen Weißsein. Der Workshop richtet sich an weiße mehrheitsdeutsche Menschen, also an Personen, die in Deutschland keine Rassismuserfahrungen machen und findet nur in Kombination mit einem Empowermentworkshop statt.
Für einen Eindruck: [Frühere Veranstaltung zu diesem Thema]

Ökonomische Bildung

"Die enorme Ausweitung der Wirtschaftswissenschaften als Disziplin ist eine der interessantesten geistigen Entwicklungen dieser Generation. Die Anzahl von Volkswirten, die an dieser Expansion teilgenommen haben, und die Vielfalt der Gegenstände, die einer Analyse unterworfen werden, wachsen, und es gibt jeden Grund, zu glauben, daß dieser Trend anhält". Mit diesen Worten beschreiben die beiden Ökonomen Richard B. McKenzie und Gordon Tullock schon 1984, was heute vielfach als "ökonomischer Imperialismus" bezeichnet wird.
Ökonomisches Wissen erscheint dabei jedoch oft als kaum durchdringbares "Expert*innenwissen". Kaum verwunderlich also, dass auch an Schulen immer mehr Lehrkräfte auf die professionell gestalteten Materialien neoliberaler Interessengruppen wie der Bertelsmann-Stiftung oder der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zurückgreifen.
Spätestens seit Beginn der weltweiten Finanzkrise 2008, sämtliche selbst ernannten "Expert*innen" konnten diese weder vorhersehen noch erklären, erhalten jedoch auch kritische Positionen in der ökonomischen Bildung wieder Auftrieb. In unseren Seminaren wollen wir diesen Gehör verschaffen.

Zu folgenden Themenschwerpunkten bieten wir im Bereich "ökonomische Bildung" Veranstaltungen an:

Kapitalismus und Krise

Dass fast kein*e namhafte*r Ökonom*in die Finanzkrise von 2007/2008 in ihrem weltumspannenden Ausmaß vorausgesehen hatte, ist mehr als erstaunlich, gehören Krisen doch schon seit mehreren hundert Jahren zum regelmäßigen Bestandteil des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Und auch die Systematik, der derartige Krisen folgen, hätte sich in der Geschichte schon dutzende Male beobachten lassen - in immer kürzeren Abständen. So ist auch eines jetzt, wo ein Ende der "Euro-Krise" noch nicht in Sicht ist, schon sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt.

Wachstumskritik

Viele Menschen in den westlichen Industrienationen leben heute in relativ großem materiellen Wohlstand. Dies ist zu einem bedeutenden Teil auf das so genannte moderne Wirtschaftswachstum zurückzuführen, welches mit der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert einsetzte. Allerdings beschränkt sich dieser Zustand im Wesentlichen auf die westlichen Länder - und nicht nur dort werden die katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen eines immer weiter voranschreitenden Wirtschaftswachstums zunehmend unübersehbar. Dessen beinahe ungeachtet ist ein konstant hohes Wirtschaftswachstums unverändert das zentrale Ziel vieler Politiker*innen und Ökonom*innen. Müssen wir vielleicht unsere Vorstellungen von Wachstum und Wohlstand grundlegend überdenken?

Solidarische Ökonomie

Unter dem Begriff "Solidarische Ökonomie" versammeln sich seit einiger Zeit sehr verschiedene Ansätze alternativen Wirtschaftens, welche sich an bedürfnisorientierten, demokratischen und nachhaltigen Grundsätzen orientieren. Vor allem in Lateinamerika sind solidarökonomische Projekte relativ weit verbreitet. Auch in Deutschland und Europa wächst das Interesse an alternativen, an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Wirtschaftsformen wie selbstverwalteten Betrieben, Tauschringen oder regionalen Währungen. Aber stellt die "Solidarische Ökonomie" tatsächlich eine Alternative zur globalisierten kapitalistischen Wirtschaftsweise dar?

Kritische Wirtschaftswissenschaften / Ökonomische Ideengeschichte

"Jahrzehntelanger Glaube an die selbstregulierenden Kräfte des Marktes, der vorherrschende Modellplatonismus, mangelnde Selbstreflexion und fehlende Methoden- und Theorienvielfalt haben nicht nur unser Fach in eine Sackgasse geführt: die Einseitigkeit ökonomischen Denkens trägt auch zur anhaltenden Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Perspektivlosigkeit bei." (Offener Brief des "Netzwerks Plurale Ökonomik", 2012) Während jedoch fast überall die neoklassische Theorie als "alternativlos" gelehrt wird, verrät ein Blick in die ökonomische Ideengeschichte zweierlei: Zum einen werden so die oft nicht offen gelegten (normativen) Grundlagen eben jener Theorierichtung deutlich. Zum anderen kann durch den Blick in die Geschichte deutlich werden, dass es auch im ökonomischen Denken durchaus Alternativen zur Neoklassik gab und gibt.

Forumtheater

"Jeder Mensch ist ein Schauspieler" (Augusto Boal)

Das Forumtheater wurde ursprünglich von Augusto Boal, einem brasilianischen Theatermacher, als zentraler Bestandteil seines "Theaters der Unterdrückten" entwickelt. Boal griff dabei auf die Ideen des Reformpädagogen Paulo Freire und dessen "Pädagogik der Unterdrückten" zurück. Heute wird das Forumtheater im europäischen Raum vor allem im Bildungsbereich genutzt, unter anderem auch in der rassismuskritischen Bildungsarbeit und als Methode des Empowerments.
In unseren Workshops beschäftigen sich die Teilnehmer*innen zunächst in verschiedenen ästhetischen Ausdrucksformen (Bild, Rhythmus, Sprache, …) mit Konfliktsituation aus der eigenen Lebenswelt ("Die Welt, wie sie ist"). Diese werden dann in ihren gesellschaftlichen Kontext gestellt und szenisch aufbereitet. Bei der "Aufführung" können die Zuschauer*innen dann aktiv in das Geschehen eingreifen, indem sie Schauspieler*innen austauschen und an deren Stelle die Szene verändert weiterspielen. So wird erfahrbar, dass die Dynamik eines Konflikts durch das eigene Eingreifen beeinflusst werden kann ("Die Welt, wie sie sein könnte"). Es geht also weniger darum, eine Konfliktsituation theoretisch und kognitiv zu erfassen, als vielmehr darum, die Möglichkeiten und Konsequenzen des eigenen Handelns emotional und körperlich zu erleben.
Verbunden mit dem Konzept des Forumtheaters sind zum einen ein emanzipatorischer Anspruch und zum anderen die demokratische Idee, dass alle Menschen an der Gestaltung der Welt teilhaben und sich als teilhabend erleben sollen.